Freie Bürger feiern 25-jähriges Bestehen

Seit nunmehr 25 Jahren gibt es die Freien Bürger Wertheim und sie sind seither ein fester Bestandteil der Wertheimer Kommunalpolitik. Die knapp 50 Mitglieder feiern dies Anfang September mit einem Grillfest. Anlass genug, um gemeinsam mit dem Gründungsmitglied und langjährigen Fraktionsvorsitzenden Hubert Sadowski einmal zurück zu blicken.
Eigentlich gab es nicht den einen Grund, so berichtet es Hubert Sadowski, der dazu führte, dass im Jahr 1994 die Freien Bürger aus der Taufe gehoben wurden. So war es der damals als „Einzelkämpfer“ für die FDP im Gemeinderat sitzende Konrad Dietz der begonnen hatte Mitstreiter zu suchen und diese in einer unabhängigen Wählergemeinschaft organisieren wollte. „Der Konrad hat gedacht, wir treten dann nach einer Weile alle in die FDP ein. Aber das wurde nichts“ schmunzelt Sadowski rückblickend.

Daneben gab es seinerzeit mehrere Sparhaushalte. Da etliche Kürzungsmaßnahmen zu Lasten der Ortschaften gehen sollten, begannen einige Ortsvorsteher sich ebenfalls mit dem Gedanken zu tragen, eine eigene Liste aufzustellen. Aus diesem Grund hatten die Freien Bürger in der Vergangenheit immer sehr viele Ortsvorsteher aus ihren Reihen.
Hermann Rebitzer war einer der Initiatoren der geplanten Kürzungen und seinerzeit Vorsitzender der Freien Wähler in Wertheim. Für einige Mitglieder der Freien Wähler war dies der Anlass sich gemeinsam mit mehreren Ortsvorstehern und Konrad Dietz zu den Freien Bürgern Wertheim zusammen zu schließen. Für die Freien Wähler bedeutete dies das „Aus“ auf der kommunalpoltischen Bühne in Wertheim.

Gemeinsam mit den beiden ebenfalls zu den FBW gewechselten bisherigen SPD-Gemeinderäten, Michael Szabo und Otto Rückert, zog dann Hubert Sadowski nach der Kommunalwahl 1994 erstmals für die Freien Bürger in den Wertheimer Gemeinderat ein.

Fünf Jahre später konnte dann ein weiteres Mandat errungen werden. Der ehemalige Finanzbürgermeister der Stadt, Peter Scherotzke, war nach seiner Pensionierung nun ebenfalls für die Freien Bürger in den Gemeinderat gewählt worden. Dort übernahm er bis zu seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen im Jahr 2007 auch den Fraktionsvorsitz. Dieser ging dann an Dr. Jutta Finkenauer; Nachrücker im Gemeinderat war Werner Kozyra, der aus diesem Grund sein Amt als Vorsitzender der Freien Bürger niederlegte. Seither ist Marcus Götz Vorsitzender der Wählervereinigung.
Nicht nur bei der Gründung, sondern auch in den Folgejahren wurden die FBW immer wieder durch den Wechsel von Gemeinderäten aus anderen Fraktionen unterstützt. So kamen im Laufe der Zeit auch Gerhard Kohout von der SPD und Manfred Busch von der CDU hinzu.

Auch dies ein Grund, weshalb sich die Freien Bürger auch gerne als „Fraktion der Mitte“ bezeichnen. Ziel war es stets absolute Mehrheiten im Gemeinderat zu verhindern und regulativ zwischen CDU und SPD zu wirken. „Ein Oberbürgermeister muss sich seine Mehrheiten suchen“, so Sadowski, damit am Ende ein von der breiten Mehrheit getragenes Ergebnis steht. So habe man die Stadt in den letzten Jahren gemeinsam auf einen guten Weg gebracht.

Rückblickend auf die wichtigsten Entscheidungen der letzten 25 Jahre nennt Sadowski den Verkauf des einstmals städtischen Krankenhauses, die Entscheidung für die Ansiedlung von „Wertheim Village“ und die Entwicklung des Almosenbergs sowie des Gewerbegebiets am Reinhardshof. Daneben sei auch immer die Weiterentwicklung der Ortschaften ein großen Anliegen der Freien Bürger gewesen. Seien es neue Wohnbaugebiete, Mehrzweckhallen oder die Sanierung der Ortskerne. Auf die Fahnen schreiben sich die Freien Bürger auch die Lösung für die seinerzeit schwierige Findung eines Standorts für die Moschee, deren Ansiedlung am heutigen Platz auf eine Initiative der FBW zurückgegangen ist. Auch die Sperrmüllabfuhr auf Abruf ging auf die Freien zurück, die Wertheim als Pilotprojekt im Kreis durchgesetzt hatten.

Letztlich, so Sadowski abschließend, macht die Kommunalpolitik aus, dass man die Themen von vielen verschiedenen Seiten betrachten muss und man auch willens sein müsse, vorgefertigte Meinungen zu überdenken und sich überzeugen zu lassen, wenn es eine bessere Lösung gibt. Dies sei immer auch eine Leitlinie für die Freien Bürger in den vergangenen 25 Jahren gewesen.