Kontroverse Diskussionen in Nassig
Die Wahlveranstaltungen neigen sich ihrem Ende zu und den frischen belebenden Wind den die Freien Bürger in die Stadt und die Ortschaften bringen wollen, empfinden viele Bürger als wohltuend anders im Vergleich zu konkurrierenden politischen Gruppierungen. Dieser Eindruck vertiefte sich auch am Montag im „Ross“ in Nassig für die FBW-Kandidaten. Dass kurz vor einer Wahl über den unliebsamen politischen Gegner schon mal Halbwahrheiten verbreitet oder gute Argumente kurzerhand zu den eigenen gemacht werden ist wohl unumgänglich und für den aufmerksamen Zeitungsleser auch leicht zu durchschauen. Mit diesen Gegebenheiten sehen sich die Freien Bürger in den letzten Tagen des Wahlkampfes zunehmend häufig konfrontiert, werten dies jedoch als Ausdruck der Verunsicherung im Hinblick auf die eigene Positionierung des politischen Gegners.
In Nassig entwickelte sich eine angenehme Diskussionsrunde während der Gerhard Kohout die Vereinsförderungsthematik erläuterte, Hubert Sadowski nicht nur die Gründe für die hohen Bewirtschaftungskosten der Nassiger Halle detailliert erklären, sondern auch ein mittelfristiges Lösungsszenario aufzeigen konnte und Peter Scherotzke seine Konzepte für die Kultureinrichtungen der Stadt aufzeigten. Die Forderung, nach Wegen zu suchen um die Unterhalts- und Bewirtschaftungskosten des Schlösschens aus dem Stadthaushalt heraus zu halten führte zu einer erregten Diskussion auch innerhalb des Auditoriums. Abschließend zu diesem Thema kam aus dem Besucherkreis die Forderung nicht weiter wie in der Vergangenheit geschehen prestigeträchtige Kulturprojekte für „irgendjemanden von irgendwoher“ durchzuführen, sondern bezahlbare Projekte für die eigenen Bürger zu bevorzugen. Dieser Forderung schloss sich Walter Ploch im Namen aller Kandidaten in kurzen Worten an.
Das nächste Thema Altstadtmarketing wurde von den „Altstadtkindern“ Berthold Jäger, Christian Wüst, Hans-Karl Hollenbach und Markus Götz mit der dringenden Notwendigkeit eines Konzeptes beantwortet. Hier habe man große Hoffnungen bezüglich der bereits laufenden Studie der Verwaltung, die bereits erste sehr gute Ansätze zeige. Werner Kozyra ergänzte jedoch, dass im Bereich Altstadtmarketing in der Vergangenheit viele Fehler gemacht wurden. So wäre z.B. das Stattfinden eines Ostfriesenmarktes selbst Wertheimer Kaufleuten nicht bekannt gewesen und trotz überregionaler Bewerbung der Wertheimer Wirtschaftswoche waren die Geschäfte der Altstadt an jenem Wochenende geschlossen. Weiterhin führte er Versäumnisse beim mittelalterlichen Markt an und Achim Hiller bemängelte noch ergänzend die zu geringe Zusammenarbeit zwischen Fremdenverkehrs GmbH und Grafschaftsmuseum.
Auch das Thema „Moschee“ blieb nicht ohne Berücksichtigung. Wie schon des öfteren betont, wird hier bei den FBW eine individuelle Meinung der Kandidaten erlaubt. Diese wurde in zahlreichen Wortbeiträgen der Kandidaten zum Ausdruck gebracht. Insbesondere diejenigen Kandidaten, welche noch über keine Gemeinderatserfahrung verfügen, „möchten die Möglichkeit offen halten, sich den gleichen Informationsstand wie die jetzigen Mandatsträger anzueignen“, so Marcus Götz. „Zwar ist mir „aus dem Bauch heraus“ das Molkereigelände das sympathischere, ich möchte mich aber nicht in Form von Fragebögen oder Anzeigen, wie sie derzeit immer wieder aus der gleichen Ecke initiiert werden, schon jetzt ultimativ festlegen lassen“, so Götz weiter.
Auf dringenden Wunsch aus der Zuhörerschaft wurde auch der „Dauerbrenner“ Krankenhaus diskutiert, wozu die beiden Fachleute der FBW, Gerhard Kohout und Dr. Jutta Finkenauer ihre Standpunkte darlegten und auch mögliche Lösungskonzepte aufzeigten.. Gerhard Kohout erläuterte inwieweit die Wertheimer Kreisräte bei der jüngsten Besetzung der Chefartstelle in TBB nicht die Kooperation mit Wertheim gesucht und somit versagt hätten. Dr. Jutta Finkenauer erklärte, dass das Pflegepersonal im Wertheimer Krankenhaus nicht zur Disposition stünde, sondern vor allem Kooperationen mit benachbarten Krankenhäusern gesucht, Outsourcing-Möglichkeiten angedacht und die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten verstärkt werden müsse.
Nach der offiziellen Veranstaltung blieben noch viele interessierte Bürger sitzen und es entwickelten sich noch angeregte Einzeldiskussionen.
Alles in Allem ein gelungene Veranstaltung, die besonders für die anwesenden interessierten Bürger nicht nur einen hohen Informations-, sonder auch einen hohen Unterhaltungswert hatte. Oder, um es mit den Worten von Martin Gillig zu sagen: „Mit unseren Konzepten haben wir eine gute Chance die Widrigkeiten der nächsten Jahre zu meistern oder zumindest zu überstehen. Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass unsere Umstrukturierungsforderungen dazu führen werden, dass wir nicht von allen Wählern gewählt werden.“