Freie Bürger gastierten in Kembach

Am Donnerstag gastierten die Freien Bürger Wertheim anlässlich eines Wahlgespräches in der Gaststätte „Stadt Wertheim“ in Kembach. Eingangs sprach Ortsvorsteher und zugleich Kandidat der FBW Dieter Diehm die Sorgen der Ortschaft zum MELAP-Programm an. „Als dieses Modellprojekt aufgelegt wurde, gründeten wir in Kembach sofort Arbeitsgruppen. Uns ist bewusst, dass wir in 20 Jahren im Dorf 20 Leerstände haben. Dagegen wollen die jüngeren etwas tun.“ Das Modellprojekt Eindämmung des Landschaftsverbrauchs durch Aktivierung
des Innerörtlichen Potentials (MELAP) kam deshalb der Ortschaft gerade recht. Mit den AGs „Dorfbild“ zur Entwicklung im Ort, „Dorfleben“ zu Fragen der Infrastruktur, „Dorfgrün“  zu Fragen der Bepflanzung und der Bachverläufe und die AG „Gebäude“, die sich mit den zu erwartenden Leerständen beschäftigt, formierten sich 40 Bürgerinnen und Bürger, die zahlreiche Vorschläge zur Entwicklung eines Leitbildes für den Ort erarbeiteten. Gelobt wurde seitens der Kembacher die personelle Unterstützung seitens der Stadtverwaltung. Demotivierend aber sei es gewesen, im Rahmen der Vorstellung eines durch den Gemeinderat zum Glück nicht beschlossenen Verkehrsplanungskonzeptes zu hören, dass diese eigentlich etatisierten städtischen Komplementärmittel in Höhe von 13.000 Euro für dieses Programm in Kembach plötzlich als überplanmäßige Mittel zur Finanzierung dieses Konzeptes auftauchten.

Kurt Kraft zeigte sich verständnisvoll für die Verunsicherung der Kembacher. „Wenn man langfristig in der Dorfgestaltung planen will, dann muss man sich auf Zusagen verlassen können, dies ist schließlich für die Dorfentwicklung existentiell“. Auch sprach Kraft die Synergieeffekte an, die eine Dorfkernentwicklung mit sich brächte, da beim Ausbau einer Straße auch oft Haus- und Hofeingänge saniert werden. „Es ist ein schlechter Stil, wenn langjährige Planungen gestrichen werden sollen“ Detlef Hartmann fühlte sich mit diesem schlechten Stil an die Verfahrensweise zum Umgang mit der Rückerstattung der Kindergartengebühren für kinderreiche Familien erinnert. Hier sollten auch mit einem Federstrich zugesagte Gelder für über 130 Wertheimer Familien rückwirkend gestrichen werden, was er mit seinem Engagement verhindern konnte.

Zurück kommend auf die MELAP-Gelder zeigte sich Peter Scherotzke entschlossen. Nach Bewilligung der Landesmittel in Höhe von 10.000 Euro muss die Stadt den im Haushalt eingestellten Betrag freigeben. Ein Sperrvermerk würde sich automatisch auflösen. Er versprach namens der Freien Bürger einen Antrag zu formulieren, der den zweckgebundenen Einsatz der Gelder sichern soll.

Zu den in einem Leserbrief vorgebrachten Vorwürfen an der Verschuldung der Stadt schuld zu sein, setzen sich Peter Scherotzke und Gerhard Kohout zur Wehr. Während der eine auf die Verantwortung in allen Fraktionen verwies und anmerkte, dass zu seiner Zeit als Finanzbürgermeister der Leserbriefschreiber selbst im Rat die Haushalte bewilligte, verwies der andere auf seine jahrelangen Forderungen, Grundstückserlöse nicht für den konsumtiven Bereich, sondern für die Schuldenzurückführung einzusetzen . Zur Planung am Bahnhofsgelände äußerte sich Marcus Götz. „Am Anfang sah es nach einem Geschenk aus. Mittlerweile kostet uns die Verpackung dafür 1,6 Mio Euro.“ Im Zusammenhang mit den CWW-Planungen und der starken Konkurrenz mit der Würzburger Arena hat eine Wertheimer Veranstaltungshalle keine Chance. Die Einzelhandelsflächen von Kaufland bis zu den Shop in Shopsystemen tragen nicht zur Belebung der Stadt bei. „Man kauft dort ein und fährt wieder. Für die derzeitigen Planungen sehen die Freien Bürger keine realistische Grundlage mehr“ so Götz.

Zur Frage, wo denn bei den anstehenden Haushaltszwängen die FBW Sparpotentiale sehen, erläuterte Dr. Jutta Finkenauer, dass bisher die FBW als einzige auch das Thema Personalverschlankung nicht scheuen. Zum Beispiel könnte es nötig werden, dem Grafschaftsmuseum sagen zu müssen, dass es nicht auf Dauer mit der großen Personaldecke aus Zeiten, wo es wir uns noch leisten konnten, weitermachen kann. Solche Fragen müssen auf den Prüfstand, ebenso wie Personaleinsparungen, die sich mit dem outsourcen von Kulturplanungsaufgaben aus der Verwaltung ergeben müssen.