Freie Bürger diskutierten mit der Stadtverwaltung über die Innenstadtentwicklung

Bei einem Treffen im Rathaus diskutierten Mitglieder der Freien Bürger gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung, Tourist Wertheim, STEG und dem Stadtmarketingverein über die derzeitige Situation des Einzelhandels in der Innenstadt.

FBW-Vorsitzender Marcus Götz erläuterte in seiner Begrüßung, dass die zunehmenden Leerstände und nicht zuletzt die kürzlich getroffene Entscheidung für die Verlegung des Krankenhauses auf den Reinhardshof den Ausschlag gegeben haben, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen, um von der Verwaltung zu erfahren, was für die Innenstadt getan werde und wie man die weitere Entwicklung sehe.

Bürgermeister Stein begrüßte das Engagement der FBW ausdrücklich und erläuterte gemeinsam mit Jürgen Strahlheim von der Wirtschaftsförderung,  zunächst den aktuellen Status.

Die Vermarktung der Flächen in der Innenstadt leidet, so Strahlheim, unter den bekannten Faktoren wie z.B. der Kleinteiligkeit der Gebäude, den steigenden Flächenanforderungen insbesondere von überregional tätigen Filialisten, fehlenden Nachfolgern bei inhabergeführten Geschäften und dem Hochwasser. Hinzu kommt, dass der Einkauf im Internet immer mehr zunimmt und die vorhandene Kaufkraft verstärkt in diese neuen Vertriebswege abfließt. Die Angebotsausweitung der großen Supermarktketten auf innenstadtrelevante Sortimente, steigende Mobilität der Kunden und nicht zuletzt die demografische Entwicklung trägt gleichfalls ihren Teil zum Stukturwandel des Einzelhandels bei.

Im vergangenen Jahr, so Stein, wurde daher dem Gemeindrat eine Gesamtkonzeption für das Innenstadtmanagement vorgestellt, aus dem zum Jahresbeginn auch die Gründung des Eigenbetriebs Burg hervorgegangen ist. Mit der Burg verfügt man in Wertheim über ein Alleinstellungsmerkmal, das eng mit der Innenstadt verknüpft und entsprechend beworben werden soll. Ziel ist eine gemeinsame Vermarktung der Innenstadt und der Burg. Die Verwaltung wird im Laufe des Jahres einen Innenstadtworkshop initiieren, bei dem sich die Bevölkerung einbringen kann und soll.

FBW-Altstadtbeirat Hans Hollenbach lobte die Sanierungsaktivitäten in der Altstadt. Zugleich warf er jedoch die Frage auf, ob die Innenstadt als Wohnstandort attraktiv bleibe, wenn das Umfeld wegen fehlender Einkaufsmöglichkeiten nicht mehr stimmt. Generell wünsche er sich auch bei der Ahndung von Falschparkern und dem Umgang mit Beschickern des grünen Marktes etwas mehr Fingerspitzengefühl. Um die Erreichbarkeit der Innenstadt, insbesondere für ältere Mitbürger und Bewohner der Stadtteile und Ortschaften zu verbessern, regte er die Einrichtung eines Pendelverkehrs mit Kleinbussen an, der mit kurzen Taktzeiten und Haltestellen direkt in der Stadt zu einer Steigerung der Besucherfrequenz beitragen könnte.

Es hätte hierzu auf einigen Ortschaften schon Umfragen gegeben, so BM Stein, hierbei sei die Nachfrage nach einem Pendelbus aber eher gering gewesen. Generell verschließe sich man dieser Idee aber nicht.

Mit den ehemaligen Mainkauf und Volpert-Gebäuden gebe es doch links der Tauber zwei großflächige und gut erreichbare Areale, die auch überregional aktiven Händlern angeboten werden, so Marcus Götz. Leider, so Bernd Maack vom Stadtmarketingverein, sei der Bereich links der Tauber für Gewerbe kaum noch zu vermarkten. Auch hier gebe es Probleme mit der Warenanlieferung und bei beiden Gebäuden sei die vorhandene Fläche auf zwei Etagen verteilt. Für große Filialisten habe Wertheim einfach auch zu wenige Einwohner im Nahbereich, ergänzte Jürgen Strahlheim. Wertheim werde als Standort daher oft von vornherein aussortiert.

Länger diskutiert wurde der von Walter Ploch vorgetragene Vorschlag, die Schaufenster von leerstehenden Geschäften attaktiver zu gestalten. Leider könne man hier keine Vorschriften machen und sei von der Bereitschaft der Eigentümer abhängig, so Stein. Man versuche immer im direkten Gespräch auf die Besitzer einzuwirken. Gleiches gelte auch für die von Ludwig Oberdorf kritisierten uneinheitlichen Öffnungszeiten der Geschäfte und Cafes. Man hat hier, so Strahlheim, keinerlei Handhabe. Nicht einmal der Versuch zu einheitlichen Kernöffnungszeiten zu kommen habe funktioniert. Christiane Förster von der Tourist bestätigte diese Einschätzung, zumal auch ihrer Meinung nach die früh schließenden Cafes eines der Hauptprobleme auf dem Marktplatz sind.

Die geltenden Parkgebühren verteidigte Edgar Beuchert von der STEG gegen von einigen FBW-Mitgliedern geäußerte Kritik. Im Vergleich zu anderen Städten der Region seien die Gebühren absolut moderat; zudem dürfe man nicht vergessen, dass die Bewirtschaftung der Parkplätze auch mit Kosten verbunden sei.

Zum Schluß erläuterte Bürgermeister Stein noch die in diesem Jahr auf der Burg geplanten Veranstaltungen. In Planung sei derzeit auch ein Anbau an die Gaststätte in der eine neue Küche und neue Toiletten untergebracht werden sollen.

Die Diskussion habe wieder gezeigt, wie vielschichtig die Probleme in der Innenstadt sind, so Marcus Götz abschließend. Der Termin hat das Bewußtsein hierfür nochmals geschärft und gezeigt, dass Erfolge nur möglich sind, wenn Verwaltung, Bürger und Kommunalpolitik an einem Strang ziehen