Freie Bürger diskutierten mit der Stadtverwaltung über die Innenstadtentwicklung
Die Leiterin des Archivverbunds Main-Tauber Dr. Monika Schaupp und der neue Stadtarchivar Wolfram Berner empfingen die Mitglieder der Freien Bürger in ihren Räumlichkeiten in Bronnbach zu einer umfangreichen Führung und Information über die Einrichtung.
In Ihrer Einführung ging Frau Dr. Schaupp auf die Entstehungsgeschichte des Archivverbunds ein. Die bis heute bestehende Kombination aus Stadt-, Staats- und Kreisarchiv sei bei seiner Gründung ein bundesweit einmaliges Modell gewesen und habe sich absolut bewährt.
Neben den ehemals fürstlichen Archiven gibt es auch ein umfangreiches Vereinsarchiv, in das man relevante Vereinsunterlagen wie z.B. Jubiläums-broschüren übernehme.
Grundgedanke bei Einrichtung der ersten Archive vor rund 1.500 Jahren sei die Wahrung der Rechtssicherheit gewesen; dies stehe auch heute noch an erster Stelle. So können über die Archive lange zurückliegende Wegerechte oder Eigentumsverhältnisse recherchiert und bei Rechtsstreitigkeiten nachgewiesen werden.
Da es sich bei den Archivalien im Gegensatz zu Büchern in Bibliotheken in der Regel um Einzelstücke handele, sei eine Herausgabe außer Haus nicht möglich. Eine Einsichtnahme in die Bestände stehe aber allen Bürgern offen. Auf Rückfrage von Ludwig Oberdorf erläuterte sie, dass sich die Archive als Servicebetrieb für Verwaltung und Bürger verstehen und die Kostenfreiheit der Nutzung sogar gesetzlich geregelt sei.
Das Archiv werde von vielen Bürgerinnen und Bürger besucht. Meist stehe hierbei die Erforschung der Familiengeschichte im Vordergrund.
Über das Internet, so Dr. Schaupp, gebe es inzwischen einen direkten Zugriff auf die Bestandsübersichten, was die Nutzerfreundlichkeit noch weiter verbessert habe. Die direkt über Internet abrufbaren Angebote würden kontinuierlich erweitert.
Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Bürger ist jedoch nicht alles frei einsehbar. So werden Akten der öffentlichen Verwaltung erst nach 30 Jahren zur Einsicht freigegeben; handelt es sich um persönliche Belange eines Bürgers, erfolgt die Freigabe erst 10 Jahre nach dessen Tod, es sei denn, die betroffene Person gebe ihre Einwilligung.
Eine Verkürzung dieser Fristen ist an strenge Auflagen gebunden, tlw. würden dann Passagen oder Namen geschwärzt, um den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte zu wahren.
Ob denn die zunehemende Digitalisierung von Unterlagen die Archive nicht vor große Herausforderungen stelle, wollte FBW-Vorsitzender Marcus Götz wissen. Wie Dr. Schaupp hierzu erläuterte, stelle es in der Tat ein großes Problem dar, die vielfach elektronisch auf zahlreichen verschiedenen Medien gespeicherten Daten auch in Zukunft lesbar zu erhalten. Auch die Vielfalt der Spezialprogramme seien eine kaum lösbare Herausforderung. Im Archiv in Ludwigsburg laufe hierzu derzeit ein Pilotprojekt, um Lösungen zu finden solche Daten auch in weiter Zukunft noch lesbar vorhalten zu können.
Problematisch in Bronbach sei, dass man kaum noch Platz habe um Bestände aufzunehmen. Die Unterlagen aneinandergereiht erstrecken sich inzwischen über 5 Kilometer. Dabei werde natürlich längst nicht alles übernommen, was z.B. die Stadt aus ihren Beständen regelmäßig aussortiere. Nur die Dokumente werden ins Archiv übernommen, die auch in ferner Zukunft noch von Interesse sein könnten. Alles andere werde nach Ende der Aufbewahrungsfristen vernichtet.
Um dem Platzmangel zu entgehen sei eine Erweiterung der Flächen daher dringend nötig, da seit einigen Jahren nur noch Notübernahmen von Archivgut möglich seien. Man prüfe derzeit mögliche Alternativen. Am besten sei sicherlich die direkt dem Archiv gegenüber liegende Scheune geeignet.
Im auf konstant 18 Grad Celsius bei 50% Luftfeuchte gehaltenen Magazin, zeigte
Dr. Schaupp den Freien Bürgern zum Abschluss noch einige ganz besondere Schätze des Archivs. So beispielsweise die Stadtrechtsurkunde der Stadt Wertheim aus dem Jahr 1306 im Original mit dem königlichen Siegel.
Die regelmäßigen Besuche lokaler Unternehmen und kommunaler Einrichtungen durch die Freien Bürger sollen auch im neuen Jahr fortgesetzt werden. Dies hilft den Mitgliedern und insbesondere den Mandatsträgern, stets über die Aufgaben-stellungen und Probleme vor Ort auf dem Laufenden zu bleiben und damit die für die weitere Entwicklung der Stadt notwendigen richtigen Entscheidungen zu treffen.